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Robert Neumann (Wien, 22. Mai1897 - München, 3. Januar1975) war Österreicher Schriftsteller und Journalist. Er hat mehr als hundert Bücher, viele Theater- und Hörspiele veröffentlicht und mehrere Drehbücher verfasst.
Robert Neumann war der Sohn eines Bankangestellten jüdischer Abstammung. Er studierte von 1915 bis um 1919 Medizin und Chemie und absolvierte ein Deutschsemester in Wien. Für kurze Zeit war er Seemann und Frachtführer auf einem Seeschiff.
Nachdem 1919 und 1923 ein kleiner Teil seiner Arbeit veröffentlicht wurde, machte er mit der Parodie Mit fremden Federn 1927 ein literarischer Durchbruch. In einem Interview sagte Thomas Mann halte das Buch für das beste des Jahres. Neumanns Name als freier Schriftsteller war nun etabliert. Er hielt auch Vorlesungen und arbeitete als Literaturkritiker.
Die Werke von Robert Neumann wurden 1933 auf die Liste der von den Nazis zu verbrennenden Bücher gesetzt. Unmittelbar nach der Errichtung der Nazi-Diktatur in Österreich im Februar 1934 verließ er Wien und ging ins zeitweilige Exil Großbritannien. 1936 und 1937 verbrachte er noch einige Monate in Österreich, wo die Bibliotheken keine seiner Werke mehr enthalten. Bis 1938 erschienen seine Romane weiterhin in Schweiz.
1939 beantragte er die britisch Staatsangehörigkeit. Stattdessen wurde er 1940 für einige Monate interniert, da Feindlicher Außerirdischer. Sein Antrag auf ein Einreisevisum in die Vereinigte Staaten war trotz einer Einladung zu Hollywood abgelehnt. Als einer der wenigen Schriftsteller im Exil wurde er dennoch in England bekannt. 1936 schrieb er das Drehbuch für den britischen Film Abdul der Verdammte mit Fritz Kortner In Führung.
Ab 1942 veröffentlichte er sechs Romane in englischer Sprache und veranlasste die Veröffentlichung englischer Übersetzungen deutscher Exilautoren, wie z Arnold Zweig und Heinrich Mann. Nach dem Ende der Zweiter Weltkrieg Neumann lebte bis Ende 1958 in England, dann in locarno im Tessin. 1947 wurde er erneut Ehrenpräsident des österreichischen PEN-Clubs.
Als Romancier, politischer Schriftsteller und Literaturkritiker wurde Neumann zwischen 1959 und 1974 für seine polemisch-satirischen Werke vor allem in den Zeitschriften Pardon, Tribune und den deutschen Zeitungen gelobt. Gelegentlich veröffentlichte er in des Spiegels und Stern.
Robert Neumann heiratete Stefanie (Stefic) Grünwald (1896-1975). Sie hatten einen Sohn Herbert Heinrich (Heini) (1921-1944). Er schrieb 1944 eine Autobiographie für ihn Memoiren und das Tagebuch von Henry Herbert Neumann. 1941 heiratete Neumann die deutsche Journalistin, Redakteurin und Übersetzerin Franziska Karola (rolly) Stern (1908-1991) und 1952 ließ er sich auch von ihr scheiden. 1953 heiratete er erneut, diesmal die deutsche Tänzerin Evelyn Milda Wally Hengerer (Pseudonym Mathilde Walewska, 1930-1958) und bekam einen Sohn, Michael Henry Robert (1955). 1960 heiratete er zum vierten Mal, diesmal mit Helga Heller (1934-1976).
Neumann litt mehrmals in seinem Leben an einer schweren Krankheit und erkrankte 1974 an Krebs. Nach seinem Tod 1975, Selbstmord laut Familienerklärung, wurde er auf dem Friedhof von begraben München-Haidhausen begraben.
Funktionen und Auszeichnungen
- Kommissarischer Präsident des österreichischen PEN-Exils in London (1939-1947)
- Ehrenpräsident des Österreichischen PEN-Clubs (ab 1947)
- Vizepräsident des Internationalen PEN (ab 1950)
- Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse (1965)
- Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold (1967)
Auswahl der Arbeiten von Robert Neumann
- Gedicht, 1919
- Zwanzig Gedicht, 1923
- Die Pest von Lianora, 1927
- Mit fremden Federn, Parodie, 1927
- Jagd auf Menschen und Gespenster, 1928
- Der Blinde von Kagoll, 1929
- Sintflut, 1929
- Hochstapler Novelle, 1930
- Passion: Sechs Poet-Ehen, 1930
- Panoptikum: Nachricht über fünf Ehen aus der Zeit. Wien: Phaidon 1930
- Werdegang, 1931
- Das Schiff Esperance, 1931
- Diese Macht. Roman. Berlin, Wien, Leipzig: P. Zsolnay 1932, 586 S.
- Unter falscher Flagge – Ein Lesebuch der deutschen Sprache für Fortgeschrittene (New Parodien), 1932
- Sir Basil Zaharoff: Der König der Waffen, 1934
- Diese blinden Passagiere, 1935
- Struensee: Doctor, Diktator, Favorit und armer Sünder (später Der Liebling der Königin), 1935
- Eine Frau hat geweint (später: „Die Freiheit und der General“), 1938
- Szene im Vorbeigehen (Roman, dt. Tibbs), 1942
- Die Untersuchung (Roman, dt. Bibiana Santis, als Treibgut), 1944
- An den Wassern von Babylon, 1945 (dt. Ü. 1939)
- Kinder von Wien, 1946 (dt. Die Kinder von Wien“, 1974)
- Tibbs. Roman. Konstanz: C. Weller 1948
- Blinde Kuh, 1949
- Aufstand in Poshansky (Roman, dt. Die Puppen von Poshansky), 1952
- Olympia (Roman)|Meine schöne Mama, 1956 (als "Mathilde Walewska")
- Mein altes Haus in Kent: Erinnerungen an Menschen und Gespenster (Autobiographie), 1957
- Die dunkle Seite des Mondes, 1959
- Ausflüchte unseres Gewissens. Documente zu Hitlers „Endlösung der Judenfrage“
- Hitler: Aufstieg und Untergang des Dritten Reiches: Ein Dokument in Bildern, 1961
- Olympia, 1961
- Festival, 1962
- Ein leichtes Leben: Message über mich selbst und Zeitgenossen (Autobiographie), 1963
- Der Tatfile oder Der gute Glaube der Deutschen, 1965
- Vielleicht das Heitere: Tagebuch aus einem anderen Jahr (Autobiographie), 1968
- Vorsicht Bücher.., Damon Weib...,Nicht jäten Politik.... '(3 Teile), 1969
- Deutschland deine sterreicher: sterreich deine Deutschen, 1970
- Oktoberreise mit alles Gute zum Geburtstag (Roman), 1970
- Ein unmöglicher Sohn (Roman), 1972
- 2 Vorlage 2 = 5: Eine Anleitung zum Rechtbehalten, 1974
Literatur
- Hans-Peter Althaus: Auf den zweiten Blick. Robert Neumanns Parodien als Spiegel der Literatur. Trier: Ed. Riveris 1994. (= Trierer Schriften; 2)
- Friedrich-Martin Balzer (Hrsg.): „Operation Mauerdurchlöcherung“. Robert Neumann und der deutsch-deutsche Dialog. Bonn 1994 ISBN 3-89144-189-4
- Richard Taube: „Fremd ist die Stadt und leer ...“ Fünf deutsche und österreichische Tekststeller im Londoner Exil 1933-1945 (Max Hermann-Neiße, Alfred Kerr, Robert Neumann, Karl Otten, Stefan Zweig). Berlin: Parthas 2004. ISBN 3-932529-59-6
- Anne Maximiliane Jäger (Hrsg.): Einmal Auswanderer - immer Auswanderer? DerScriptteller und Publizist Robert Neumann (1897-1975). München: Editionstext kritik 2006.ISBN 3-88377-845-1
- Andrea Kriegner: Das Judentum im Romanwerk Robert Neumanns. Innsbruck: Univ. Dipl.-Arb. 1992.
- Verena Ofner: Diese historischen Romane Robert Neumanns. Eine Analyse. Wien: Univ. Dipl.-Arb. 2004.
- Georg Peter: Analytische Ästhetik. Eine Untersuchung zu Nelson Goodman und zur literarischen Parodie. Egelsbach u.a.: Hänsel-Hohenhausen 2002. (= Deutsche Bibliothek der Wissenschaften; Philosophische Analyse; 5) ISBN 3-8267-0024-4
- Ulrich Scheck: Dass Prosa Robert Neumanns. Mit einem bibliographischen Anhang. New York u.a.: Lang 1985. (= Amerikanisches Hochschulstudium; Reihe 1, Germanische Sprachen und Literaturen; 43) ISBN 0-8204-0252-4
- Volker Weidermann: Das Buch der verbrannten Bücher. Köln: Verlag Kiepenheuer & Witsch, 2008; ISBN 978-3-462-03962-7 . (Zu Neumann Seite 199-201)